1. Die Anlage des Innenhofs
Der Patio de los Arrayanes ist ein langer, rechteckiger Innenhof von etwa 36 Metern Länge und 24 Metern Breite. Das dominierende Element ist das rechteckige Becken, das über die gesamte Länge verläuft, von Norden gespeist und nach Süden entwässert. Auf beiden Seiten des Beckens stehen Portiken: Die Nord- und Südportiken bestehen aus geschnitzten Stuckbögen auf Marmorsäulen, die tiefe Säulengalerien bilden und Schatten und Schutz bieten. Der Rhythmus der Säulen, die Proportionen des Innenhofs im Verhältnis zur Höhe der umgebenden Palastmauern und die Wasserfläche schaffen einen Raum geometrischer Perfektion. Jede Oberfläche und Sichtlinie wurde berechnet, um bestimmte Blicke zu rahmen und ein Gefühl ungestörter Ruhe zu erzeugen.
2. Das Spiegelbecken
Das Becken ist etwa 34 Meter lang und 7 Meter breit, seine Tiefe absichtlich gering gehalten, damit die Oberfläche ruhig und klar bleibt. Das Wasser bewegt sich sanft statt turbulent, eine technische Leistung, die eine sorgfältige Steuerung des Zu- und Ablaufsystems erforderte. In der islamischen Gartentradition erfüllt Wasser sowohl praktische als auch symbolische Funktionen: Es spendet Kühle und Feuchtigkeit in einem trockenen Klima, steht aber auch für Leben, Reinheit und Beständigkeit. Die spiegelnde Oberfläche verwandelt den Innenhof in zwei Welten – den physischen Raum darüber und den invertierten Spiegel darunter. Wer an einem Ende steht, sieht die Kolonnade verdoppelt, den Himmel dupliziert, den Comares-Turm vollständig gespiegelt. Dieser Verdopplungseffekt war beabsichtigt und zentral für die Nasriden-Vision harmonischen Raumes.
3. Der Comares-Turm und seine Spiegelung
Der Comares-Turm (Torre de Comares) ragt 45 Meter über den Palast empor, sichtbar vom Patio de los Arrayanes hauptsächlich vom südlichen Ende des Innenhofs. Der Turm war das bedeutendste und symbolträchtigste Bauwerk des Palastes – der Sitz des Sultans im 14. Jahrhundert und Standort des Thronsaals. Die Spiegelung dieses Turms im stillen Wasser erzeugt eine der meistfotografierten Ansichten der Alhambra. Vom Südrand des Beckens aus erscheint der Turm kopfüber im Wasser schwebend, seine massive quadratische Form und die Zinnen perfekt gespiegelt. Diese Spiegelung war kein Zufall; sie war eine bewusste kompositorische Strategie. Die Nasriden-Architekten verstanden Optik und gestalteten den Innenhof so, dass bestimmte Standpunkte maximale visuelle Wirkung erzeugen.